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Regulierung22. Oktober 2026

ESMA-Aufsicht Krypto: 10 bis 15 von 360 Anbietern

Die EU-Minister wollen, dass die ESMA nur die größten Kryptodienstleister beaufsichtigt. Für die meisten Börsen ändert sich nichts. Was steht fest?

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Die Finanzminister der EU haben am 9. Oktober 2026 eine Verhandlungsposition beschlossen, nach der nur die „wichtigsten“ Anbieter von Kryptodienstleistungen direkt unter die Aufsicht der ESMA fallen. Einer Schätzung des Rates zufolge, die CryptoTicker von Reuters übernimmt, geht es um 10 bis 15 der rund 360 zugelassenen Anbieter. Alle übrigen bleiben bei der Aufsichtsbehörde, die ihnen die MiCA-Zulassung erteilt hat: in den Niederlanden die AFM, in Deutschland die BaFin. Das ist ein Vorschlag des Rates und kein Gesetz; das Europäische Parlament muss seine eigene Position noch festlegen.

Das ist die Fortsetzung unseres Beitrags darüber, wie die ESMA MiCA nachschärfen will: Dort ging es darum, was in den Regeln steht, hier geht es darum, wer sie kontrolliert. Unten liest du, was der Rat beschlossen hat, welche Zahlen feststehen und welche nicht, was das Parlament jetzt tut und was du selbst nachprüfen kannst.

ESMA-Aufsicht über Krypto in Kürze

  • Datum und Gremium: die Finanzminister der EU-Länder, am 9. Oktober 2026. Es geht um die Verhandlungsposition des Rates zum Market Integration and Supervision Package (MISP), einem Baustein der Spar- und Investitionsunion.
  • Zwei Ebenen: Nur die wichtigsten Kryptodienstleister (CASP) bekommen die ESMA als Aufsicht. Die Europäische Kommission hatte in ihrem Vorschlag vom Dezember 2025 vorgesehen, dass die ESMA alle CASP beaufsichtigt. Diesen Teil übernimmt der Rat nicht.
  • Anzahl: 10 bis 15 von rund 360 zugelassenen Anbietern, eine Schätzung des Rates (über Reuters und CryptoTicker). Das sind 2,8 bis 4,2 Prozent.
  • Übergang: zwei Jahre, mit gemeinsamen Teams aus ESMA und nationalen Fachleuten. Bei Entscheidungen hat die ESMA das letzte Wort.
  • Jetzt ändert sich nichts: Es ist keine neue Regel in Kraft. Deine zugelassene Börse bleibt unter derselben Aufsicht.
  • Noch offen: die genauen Schwellenwerte, die Position des Parlaments und der endgültige Gesetzestext.

Was hat der Rat genau beschlossen?

Der Rat hat am 9. Oktober den Kern seiner Position zum MISP festgelegt. Das Paket verlagert mehr Aufsicht von den nationalen Behörden auf die ESMA. Laut der Pressemitteilung des Rates, wie Regulation Tomorrow (Norton Rose Fulbright) sie wiedergibt, geht es um vier Punkte:

  1. Kryptodienstleister: Nur die bedeutenden CASP kommen unter die ESMA. Der Vorschlag der Kommission sah die ESMA als alleinige Aufsicht über alle CASP vor.
  2. Infrastruktur: Bedeutende zentrale Gegenparteien und zentrale Wertpapierverwahrer sowie die wichtigsten grenzüberschreitenden Handelsplätze bekommen ebenfalls die ESMA als Aufsicht.
  3. Leitung der ESMA: ein neuer hauptamtlicher Exekutivrat, wobei der Rat der Aufseher mit den nationalen Behörden das wichtigste Beschlussorgan bleibt.
  4. Übergangszeit: zwei Jahre. In dieser Zeit unterstützen gemeinsame Teams aus ESMA und nationalen Sachverständigen die Aufsicht, und die ESMA behält die Letztverantwortung für Entscheidungen (TokenPost, 9. Oktober).

Die Pressemitteilung des Rates selbst konnte unsere Redaktion bei Redaktionsschluss nicht öffnen: Die Website des Rates blockiert Verbindungen aus Rechenzentren. Der Inhalt oben stammt aus zwei Quellen, die die Pressemitteilung zusammenfassen, Regulation Tomorrow und TokenPost, und die nicht voneinander abschreiben. Prüfe den Originaltext über den Link unter Quellen.

Wann ist ein Anbieter „bedeutend“?

Hier unterscheiden sich die Quellen. MiCA kennt schon jetzt eine feste Grenze: Laut CryptoTicker gilt ein Anbieter ab 15 Millionen aktiven Nutzern in der EU als bedeutend. Diese Marke erreichen nur wenige Plattformen. Der Rat will deshalb zusätzliche Kriterien, die niedriger ansetzen.

QuelleWas steht zu den Schwellenwerten?
Rat (Pressemitteilung, über Regulation Tomorrow)Nur „die wichtigsten“ CASP. Keine Zahlen genannt.
CryptoTicker, das CryptoSlate und Ledger Insights zitiert15 Millionen aktive Nutzer in der EU oder drei von fünf Kriterien. Genannt werden unter anderem mehr als 1 Million aktive Nutzer, mehr als 1 Milliarde Euro an verwahrten Kryptowerten und mehr als 4 Milliarden Euro Kundentransaktionen pro Jahr.
Was wir nicht prüfen konntenDer vollständige Text des Rates ist noch nicht veröffentlicht; die Schwellenwerte können wir daher nicht selbst überprüfen.

Rechnest du mit den genannten Zahlen, trifft die Verwahrschwelle vor allem große Handelsplattformen und kaum einen kleinen Verwahrer oder einen Broker, der Krypto nur nebenbei anbietet. Das ist eine Lesart von CryptoTicker, kein Text aus dem Ratsbeschluss. Bis der Rat den Text veröffentlicht, bleibt „10 bis 15“ eine Schätzung und keine Liste.

Laut CryptoTicker bleibt eine bestehende MiCA-Zulassung gültig, wenn ein Anbieter unter die ESMA fällt; ein zweites Antragsverfahren gibt es dann nicht. Auch das ist noch kein Gesetzestext.

Was macht das Europäische Parlament jetzt?

Die Verhandlungen mit dem Parlament beginnen erst, wenn das Parlament seine eigene Position hat. So ist der Stand:

  • ECON-Ausschuss: Laut Regulation Tomorrow wird die Position des Ausschusses für Wirtschaft und Währung Anfang November 2026 erwartet. Regulation Tomorrow nennt in dem Bericht über die Position des Rates den 1. November, einen Sonntag; das ist eine Erwartung und kein feststehender Termin.
  • Berichterstatter: Markus Ferber (EVP) und Eero Heinäluoma (S&D) verhandeln im September und Oktober mit den Schattenberichterstattern über Kompromissänderungsanträge. Regulation Tomorrow hat den Stand am 22. Oktober 2026 beschrieben und warnt, dass sich die Texte noch ändern können.
  • Krypto im Kompromissentwurf: Auch dort würde die ESMA nur bedeutende CASP beaufsichtigen, mit einem neuen Artikel 59a in MiCA, der festlegt, wie ein Anbieter für bedeutend erklärt wird. Ein Anbieter, der nicht bedeutend ist, könnte sich selbst für die ESMA-Aufsicht entscheiden.
  • Marktmissbrauch: Im Entwurf wird die ESMA für die Durchsetzung der MiCA-Regeln gegen Marktmissbrauch zuständig, auch bei Anbietern, die nicht bedeutend sind, mit Befugnissen zur Marktüberwachung.
  • Ein Unterschied zum Rat: Bei zentralen Gegenparteien und Wertpapierverwahrern geht der Entwurf des Parlaments weiter als der Rat: alle, nicht nur die bedeutenden. Bei Krypto sind sich Rat und dieser Entwurf also einig, beim Rest des Pakets nicht.

Danach folgen die Gespräche zwischen Kommission, Rat und Parlament. Die Kommission wollte mehr. Was dabei herauskommt, wissen wir nicht; einen Termin für eine Einigung gibt es nicht.

Was bedeutet das für dich als Anleger in Europa?

Jetzt. Du musst nichts tun. Das MISP ist kein Gesetz, und die Übergangszeit beträgt zwei Jahre. Laut CryptoTicker kommt die praktische Wirkung frühestens gegen Ende dieses Jahrzehnts, falls der Vorschlag in dieser Form angenommen wird.

Wo deine Börse jetzt steht. Das MiCA-Register der ESMA nennt für jeden Anbieter die zuständige Behörde. Laut unserem Beitrag zum Register vom 21. Oktober umfasst der Bestand 379 Zeilen. Die Niederlande sind Heimatland von 29 Zeilen (AFM), Deutschland von 109 (BaFin), Frankreich von 36 und Belgien von 2. Deutschland hat also mit Abstand die meisten; ein Teil davon sind Anzeigen von Banken nach Artikel 60. Laut CryptoTicker behält ein Land mit vielen Zulassungen bei diesem Vorschlag auch die meiste Arbeit, weil die ESMA nur die Spitze herausnimmt.

Was du selbst nachprüfen kannst. Suche deinen Anbieter im ESMA-Register und achte auf den Herkunftsmitgliedstaat und die Rechtsgrundlage (Artikel 63 ist eine Zulassung, Artikel 60 eine Anzeige). Unsere Seite MiCA-Zulassungen macht das Register durchsuchbar. Eine Zulassung in einem Land gilt dank des Passes in allen anderen EU-Ländern, deine Börse muss also nicht in deinem Land ansässig sein.

Was es nicht aussagt. Dass ein Anbieter künftig unter die ESMA fällt, sagt nichts über Kosten, die Sicherheit deines Guthabens oder die Qualität des Dienstes. Dass ein Anbieter bei der nationalen Aufsicht bleibt, sagt das auch nicht.

Was noch nicht feststeht

  • Die Schwellenwerte. Der Text des Rates war bei Redaktionsschluss nicht veröffentlicht. Wir kennen die Kriterien nur über CryptoTicker, das CryptoSlate und Ledger Insights zitiert, und diese Quellen nennen nicht alle dieselben Zahlen.
  • Welche Anbieter es werden. „10 bis 15“ ist eine Schätzung des Rates. Es gibt keine Liste mit Namen.
  • Die Pressemitteilung des Rates konnten wir aus unserer Umgebung nicht öffnen. Wir verlassen uns auf zwei zusammenfassende Quellen.
  • Die Position des Parlaments. Der Kompromissentwurf der Berichterstatter kann sich noch ändern.
  • Das Enddatum. Der Rat nennt zwei Jahre Übergang, aber kein Datum, ab dem die ESMA tatsächlich die Aufsicht führt.

Dieser Artikel ist keine Anlageberatung. Krypto kann stark an Wert verlieren, und du kannst deinen gesamten Einsatz verlieren.

Häufige Fragen

Welche Kryptobörsen wird die ESMA künftig beaufsichtigen?

Das ist nicht bekannt. Der Rat schätzt 10 bis 15 der rund 360 zugelassenen Anbieter, ohne Namen. Die Schwellenwerte stehen noch nicht fest.

Ändert sich etwas für mein Konto bei meiner Börse?

Nein, jetzt nicht. Der Vorschlag ist kein Gesetz und sieht eine Übergangszeit von zwei Jahren vor. Deine Börse bleibt unter der Aufsichtsbehörde, die ihr die MiCA-Zulassung erteilt hat.

Wer beaufsichtigt meine Börse, wenn ich in Deutschland wohne?

Das ist die Aufsichtsbehörde des Landes, in dem der Anbieter seine Zulassung erhalten hat. Für einen deutschen Anbieter ist das die BaFin; ein Anbieter aus den Niederlanden fällt unter die AFM. Du findest es im ESMA-Register.

Ist das dasselbe wie MiCA 2?

Nein. Das MISP regelt, wer die Aufsicht führt; die Überarbeitung von MiCA selbst, umgangssprachlich MiCA 2, regelt, was gilt. Über diese Überarbeitung haben wir in unserem Beitrag vom 30. September geschrieben.

Wann weiß ich mehr?

Das Parlament muss zuerst seine Position festlegen; vom ECON-Ausschuss wird sie Anfang November 2026 erwartet. Danach beginnen die Gespräche mit dem Rat.

Quellen

Gelesen am 22. Oktober 2026.

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