Wann kommt der digitale Euro? EZB will Gesetz bis Ende 2026
Lagarde will das Gesetz zum digitalen Euro bis Ende 2026 durchbringen. Pilot 2027, für dich frühestens 2029. Das Haltelimit ist offen, Bargeld bleibt.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde will, dass das Gesetz zum digitalen Euro „by the end of 2026“ verabschiedet ist. Das schrieb sie am 17. Oktober in ihrer Erklärung für den IMFC, einen Ausschuss des IWF, während der Jahrestagung des Fonds. In der zweiten Jahreshälfte 2027 folgt eine interne Pilotphase über zwölf Monate. Selbst mit dem digitalen Euro bezahlen kannst du nach dem Zeitplan der EZB frühestens 2029, und nur, wenn das Gesetz bis dahin steht.
Der digitale Euro in Kürze
- Gesetz bis Ende 2026: Eine Verabschiedung in diesem Jahr ist laut Lagarde „key“ für einen reibungslosen Start. Auch der Europäische Rat forderte eine Einigung bis Ende dieses Jahres.
- Die Verhandlungen laufen: Der Rat der EU legte seinen Standpunkt am 19. Dezember 2025 fest, das Europäische Parlament stimmte am 9. Juli mit 416 zu 169 Stimmen für die Aufnahme von Verhandlungen.
- Die Pilotphase ist intern: Nur Beschäftigte der EZB und von 19 nationalen Zentralbanken zahlen mit, zusammen mit 36 Zahlungsdienstleistern.
- Frühestens 2029: Die EZB entscheidet erst nach der Verabschiedung des Gesetzes, ob der digitale Euro kommt.
- Haltelimit ohne Betrag: Die EZB rechnete 500 bis 3.000 Euro pro Person durch, nennt das aber keine Entscheidung.
- Kostenlos und ohne Zinsen: Die Basisnutzung kostet nichts, Zinsen bekommst du nicht.
- Bargeld bleibt gesetzliches Zahlungsmittel.
Der Zeitplan nach dem 17. Oktober
Lagarde widmete dem digitalen Euro vier Sätze, in einer Erklärung, die sonst von Wachstum, Inflation, Finanzstabilität und Tokenisierung handelte. Die interne Pilotphase 2027 soll die Grundlage für einen nahtlosen und sicheren Start legen. Die Verabschiedung der Verordnung vor Ende 2026 nennt sie den Schlüssel dazu. Stablecoins, Krypto und Bitcoin erwähnte sie nicht, wie auch Crypto Times feststellte.
Dieses Datum liegt nicht in der Hand der EZB. Parlament und Rat, in dem die Mitgliedstaaten sitzen, müssen sich erst auf den Text einigen. Diese Verhandlungen, bei denen die Kommission mit am Tisch sitzt, heißen Triloge und laufen seit Juli. Bis Ende 2026 bleiben gut zehn Wochen.
Bei der Abstimmung vom 9. Juli ging es genau genommen um den Beginn der Verhandlungen. Die Fraktionen PfE, ECR und ESN hatten den Beschluss des Ausschusses ECON angefochten, Gespräche mit dem Rat aufzunehmen; das Plenum stellte sich hinter den Ausschuss. Im Juni haben wir auf diese Abstimmung vorausgeblickt. Wie die Pilotphase funktioniert und wer die 36 Teilnehmer sind, liest du in unseren Beiträgen aus dem Juli und dem August.
Was der digitale Euro ist und was nicht
Der digitale Euro ist digitales Zentralbankgeld: wie eine Banknote eine Forderung gegenüber dem Eurosystem, also der EZB und den nationalen Zentralbanken zusammen. Banken und andere beaufsichtigte Zahlungsdienstleister eröffnen die Konten und bleiben deine Ansprechpartner. Laut Gesetzesvorschlag wird er gesetzliches Zahlungsmittel, genau wie Bargeld.
- Keine Kryptowährung und keine Blockchain. Er soll auf einer zentralen Plattform des Eurosystems laufen, nicht auf einem verteilten Register, schreibt die EZB.
- Nicht programmierbar. Staatliche Stellen können nicht festlegen, wo, wann oder wofür du ihn ausgibst.
- Kein Sparprodukt. Es gibt keine Zinsen darauf, und es kommt eine Obergrenze für das, was du halten darfst.
Die EZB schätzt die Kosten für das Eurosystem auf 1,3 Milliarden Euro für die Entwicklung und etwa 320 Millionen Euro pro Jahr ab der Ausgabe, bezahlt aus den Einnahmen, die Zentralbanken aus der Ausgabe von Geld erzielen.
Digitaler Euro, EURC und Bitcoin im Vergleich
Ein Euro-Stablecoin wie EURC ist ebenfalls digital und ebenfalls 1 Euro wert. Der Unterschied liegt darin, wer dafür geradesteht.
Derzeit sind nur Euromünzen und -banknoten gesetzliches Zahlungsmittel, schreibt die Kommission. Stablecoins stammen laut EZB von privaten Unternehmen ohne Garantie einer Zentralbank; ihr Wert hängt davon ab, wie gut der Emittent seine Reserven verwaltet. Hinter Bitcoin steht laut EZB keine Institution, und der Kurs kann stark schwanken.
Für Krypto-Nutzer fällt ein Punkt im Standpunkt des Parlaments auf: Auch Kryptounternehmen mit Zulassung sollen den digitalen Euro anbieten dürfen, neben Banken, E-Geld-Instituten und Postämtern. Wie Stablecoins funktionieren, liest du unter Was sind Stablecoins?
Was bedeutet das für dich als Nutzer in Europa?
Wann. Nicht 2027: Die Pilotphase ist für Beschäftigte von Zentralbanken und für Händler, die diese auswählen, etwa Betriebskantinen und Onlineshops. Auch wenn deine Bank oder dein Zahlungsanbieter zu den 36 gehört, etwa Adyen, Deutsche Bank, BPCE, Cecabank oder Caixa Geral de Depósitos, kannst du nicht mitmachen. Die EZB peilt 2029 an. Das Parlament will nach der Verabschiedung mindestens 24 Monate Vorlaufzeit, damit sich Banken, Anbieter und Nutzer vorbereiten können.
Pflicht? Für dich nicht, im Vorschlag der Kommission: Du bekommst ihn nur auf Antrag, und niemand muss ihn halten oder nutzen. Die meisten Händler müssen ihn nach dem Standpunkt des Parlaments aber annehmen. Ausgenommen sind Selbstständige sowie Klein- und Kleinstunternehmen, die keine anderen digitalen Zahlungen akzeptieren.
Das Haltelimit. Einen Betrag gibt es nicht. Auf Bitten des Parlaments rechnete die EZB 500 bis 3.000 Euro anhand der Bilanzen von 2.025 Banken durch. EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone nannte diese Zahlen am 6. Oktober illustrativ und keine Entscheidung. Der Rat will, dass die EZB das Limit innerhalb einer vom Rat gesetzten Obergrenze festlegt. Das Parlament will, dass die Kommission die Obergrenze auf Empfehlung der EZB bestimmt, mit voller Mitsprache des Parlaments. Verknüpfst du ein Bankkonto, geht alles, was du über das Limit hinaus empfängst, automatisch auf dieses Konto, und zahlst du mehr, als dein Guthaben hergibt, kommt die Differenz von dort.
Offline. Du lädst zuerst Geld auf dein Handy oder deine Karte und bezahlst dann ohne Internet, indem du zwei Geräte aneinanderhältst. Der Nachteil: Verlierst du das Gerät, ist das Geld weg, ohne Erstattung, schreibt das Parlament. Für Offline-Guthaben gelten im Kommissionsvorschlag eigene Limits.
Datenschutz. Offline kennen nur du und der Empfänger die Details. Online kann das Eurosystem Zahlungen nicht direkt dir zuordnen, sagt die EZB. Deine Bank kann dich aber identifizieren und sieht, was für die Zahlung und die Geldwäschekontrolle nötig ist, wie heute. Anonym ist der digitale Euro online also nicht.
Kosten. Die Basisnutzung wird kostenlos, etwa ein Konto eröffnen und bezahlen; der Rat nennt auch das Hin- und Herbuchen von Geld mit deinem normalen Konto bei derselben Bank. Zusatzleistungen dürfen etwas kosten. Händler zahlen ihrer Bank eine gedeckelte Gebühr; offline zu bezahlen wird laut Parlament ganz kostenlos.
Bargeld. Bleibt gesetzliches Zahlungsmittel. Der Rat will, dass Händler Bargeld grundsätzlich nicht mehr ablehnen dürfen, mit Ausnahmen unter anderem für Onlinekäufe. Das Parlament will ein Verbot von „No Cash“-Schildern.
Nach Land. Die Niederlande, Belgien, Deutschland, Frankreich, Spanien und Portugal haben den Euro, und ihre Zentralbanken nehmen an der Pilotphase teil. Polen hat den Złoty. Für Länder außerhalb des Euroraums liegt ein eigenes Gesetz auf dem Tisch, mit dem Banken dort den digitalen Euro anbieten dürfen; Rat und Parlament haben beide einen Standpunkt dazu. Polen müsste laut Parlament eine Stelle benennen, die die Folgen für die eigene Währung überwacht.
Was noch nicht feststeht
- Das Gesetz selbst. Ende 2026 ist ein Zieldatum. Am 19. Oktober fanden wir keine Meldung über eine Einigung.
- Das Haltelimit. Kein Betrag, und Rat und Parlament sind uneins, wer es festlegt. In Berichten kursieren Beträge zwischen 500 und 3.000 Euro: Das sind die Rechenbeispiele der EZB, kein Vorschlag.
- Die Vergütung. Wie Banken für die Verbreitung des digitalen Euro bezahlt werden, wird laut Cipollone noch ausgearbeitet. Das bestimmt auch, was Händler zahlen.
- 2029. Die EZB will dann bereit sein, vorausgesetzt, das Gesetz steht Ende 2026. Wie die 24 Monate Vorlaufzeit des Parlaments da hineinpassen, ist nicht bekannt.
- Bargeld. Welche Ausnahmen es von der Pflicht zur Annahme von Bargeld geben wird, steht noch nicht fest.
Dieser Artikel ist keine Anlage- oder Rechtsberatung. Die Regeln für den digitalen Euro stehen noch nicht fest. Krypto kann stark an Wert verlieren, und du kannst deinen gesamten Einsatz verlieren.
Häufige Fragen
Wann kommt der digitale Euro?
Frühestens 2029, wenn das Gesetz Ende 2026 verabschiedet ist. Die Pilotphase 2027 ist nur für Beschäftigte von Zentralbanken.
Ist der digitale Euro Pflicht?
Für Verbraucher nicht: Im Vorschlag der Kommission bekommst du ihn nur auf Antrag. Die meisten Händler müssten ihn aber annehmen.
Wird das Bargeld durch den digitalen Euro abgeschafft?
Nein. Bargeld bleibt gesetzliches Zahlungsmittel, und Rat und Parlament wollen einschränken, dass Händler es ablehnen.
Wie hoch ist das Haltelimit beim digitalen Euro?
Das steht noch nicht fest. Die EZB rechnete 500 bis 3.000 Euro pro Person durch, aber das ist keine Entscheidung.
Ist der digitale Euro ein Stablecoin oder eine Kryptowährung?
Nein. Er ist Zentralbankgeld. Ein Stablecoin wie EURC stammt von einem privaten Emittenten, Bitcoin hat keinen Emittenten.
Quellen
Gelesen am 19. Oktober 2026.
- EZB: Erklärung von Lagarde für den IMFC, 17. Oktober 2026.
- Europäisches Parlament: Abstimmung vom 9. Juli 2026 und Standpunkt des ECON-Ausschusses, 23. Juni 2026.
- Rat der EU: Standpunkt, 19. Dezember 2025.
- EZB: Rede von Piero Cipollone, 6. Oktober 2026; häufige Fragen, aktualisiert am 17. August 2026; Pressemitteilung zur Pilotphase, 14. Juli 2026, mit der Teilnehmerliste.
- Europäische Kommission: Fragen und Antworten, 28. Juni 2023.
- MiCA-Verordnung, Artikel 49 und 50.
- Circle: EURC, Umlauf am 15. Oktober 2026.
- Bitcoin.org: häufige Fragen.
- Crypto Times, 17. Oktober 2026.
- CryptoTicker, 15. September 2026.